Kim H. Veltman
Leonardo da Vinci: Die Gesetze des Sehens und der Natur
Methode und Struktur in Leonardos Werk
Geschichte und Gesetz. Europäisches Forum Alpbach, 1989, Hrsg. Otto Molden, Vienna:
Ostereichisches College, (1990), pp. 566-572.
Die Notizbücher Leonardo da Vincis (1452-1519) zeigen, daß er hinsichtlich spezifischer
Probleme systematisch arbeitete. Seine biologischen Studien konzentrieren sich auf die
Bewegung: Fische im Wasser, Insekten und Vögel in der Luft, Tiere an Land
hinsichtlich, Anwendungen auf menschliche Bewegungen: Schwimmen, fliegen und
Laufen. Leonardos Studien des Menschen konzentrieren sich auf die Prinzipien der Anatomie.
Einleitend schreibt er über die vier Naturkräfte (Gewicht, Kraft, Bewegung und
Schlag/Erschütterung). Leonardos Interesse an den Sinnen richtet sich auf das Sehen und
HOren, die er beide in bezug auf Schlag behandelt. Eine Analogie zwischen der
menschlichen Nabelschnur und dem Samen leitet seine Studien der fortpflanzung und der
Botanik. Sein Studium der physikalischen Welt beinhaltet Karten und topographische
Ansichten, konzentriert sieh aber auf die vier Elemente, hauptsächlich Wasser, mit Hilfe
dessen die Prinzipien der Bewegung am leichtesten zu visualisieren sind. Er macht
zahlreiche Experimente diesbezüglich und schreibt eine Abhandlung darüber. Allmählich
entwickelt sich ein Plan, ei'ne Arbeit zur Kosmologie zu schreiben. Seine Studien über
das Licht und das Sehen dienen als einleitende Kapitel. Der Zweck ist, zu zeigen, daß der
Mond ein Planet ist wie die Erde.
Die Mehrzahl von Leonardos Notizen betrifft die vom Menschen gemachte Welt: geistig,
konstruiert und dargestellt. Die geistige Welt beinhaltet Worte (Sprache), Zahlen (Arithmetik)
und Diagramme (Geometrie). Er macht Listen von Vokabeln und Grammatik,
schreibt Briefe und Notizen, sammelt Allegorien und Embleme, während sein
literarisches Interesse Aphorismen, Anekdoten, Fabeln, Scherze und philosophische
Erzählungen einschließt. Arithmetik interessiert ihn in bezug auf arithmetische
Proportionen und grundlegende Gesetze der abbaco-(Rechen-)Schule. Geometrie
interessiert ihn in bezug auf Veränderungen der Form und die Gesetze, denen solche
Veränderungen unterliegen. Die konstruierte Welt interessiert ihn in bezug auf
Architektur, Mechanik und Instrumente. Praktische Angelegenheiten wie militärische
Architektur und WafFen beschäftigen ihn. Hier steht er voll in der Tradition der Kunst-
Ingenieure. Seine Originalität liegt in der Behandlung der Maschinen, Werkzeuge und
Präzisionsinstrumente, wo er systematische Methoden des Experiments einführt.
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